Schlaganfall bei Hunden und Katzen?!

Solensia und Librela, die neuen Sterne am Pharmahimmel (!?)
Juni 16, 2021
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Schlaganfall bei Hunden und Katzen?!

Zivilisationskrankheiten treffen unsere Haustiere genauso wie uns Menschen auch.

Schließlich leben wir in derselben Umgebung, haben oftmals ähnlichen Stress (bzw. der menschliche Stress wird von unseren Haustieren übernommen), und manchmal ernähren wir uns auch ähnlich 😉

So ist es nicht verwunderlich, dass auch unsere Tiere an Diabetes, Krebs, Allergien, Epilepsie, Thrombosen usw. erkranken.

Eben letzteres ist für die Entstehung eines Schlaganfalls (Apoplex) entscheidend.

Apoplex oder Vestibularsyndorm?

Gefährdet sind hauptsächlich herzerkrankte und übergewichtige Hunde und Katzen. Hier besteht die Gefahr einer Thrombusbildung im Herzen, die dann abgeschwemmt wird und z.B. im Hirn ein Gefäß verstopfen kann. Genauso kann dies natürlich auch in allen anderen Organen passieren, von uns Menschen kennt man zumeist den Herzinfarkt oder den Schlaganfall. Es gibt aber auch den Niereninfarkt, den Rückenmarksinfarkt usw.

Die gute Nachricht ist aber, beim Hund kommt das sehr selten vor. Bei der Katze tritt leider häufiger ein Aortenthrombus auf, hierzu folgt zu anderer Zeit ein Blog.

Weitaus häufiger, und meist falsch benannt, kommt das Vestibularsyndrom, oder auch geriatrisches Vestibularsyndrom vor.

Fälschlicherweise wird es umgangssprachlich meist als Schlaganfall tituliert, da sich darunter die Tierhalter besser etwas vorstellen können, und jeder sofort weiß was gemeint ist.

Allerdings ist hier der Entstehungsgrund ein anderer, sowie der Verlauf. Auch die Heilungsaussichten sind hier sehr unterschiedlich.

Eine kleine Story aus meinem Leben

mein liebster Paco, der diesen Blog mit seinem Foto ziert, hatte im Alter von 14 Jahren ein Vestibularsyndrom.

Paco lag abends zusammen mit mir im Bett, war tagsüber ganz normal, und schlummerte friedlich vor sich her. Um 4 Uhr nachts wachte ich erschrocken auf wegen eines lauten Rumpelns, Paco war vom Bett gefallen (das war vorher noch nie passiert) und lag mit ausgegrätschten Beinen auf dem Boden, er konnte nicht mehr aufstehen, versuchte es aber ununterbrochen. Sein Kopf war schief nach links gedreht.

Das Bild was sich mir bot war so erschreckend, dass ich erstmal völlig kopflos reagierte. Mein lieber alter, immer gesunder Paco lag da, völlig durch den Wind, verängstigt und mit rollenden Augen, und versuchte panisch aufzustehen!

Da vergisst man kurzerhand all seine medizinische Ausbildung und ist einfach nur Hundemami…

Als ich dann wieder klar im Kopf wurde konnte ich Paco auch adäquat beruhigen, ihn weich einpacken und schon mal erste Homöopathika geben. Wichtig war hier etwas für die Nerven, gegen Schock (schließlich kam das für ihn auch aus heiterem Himmel) und gegen Übelkeit.

Am Morgen ging es dann zu meiner Tierärztin, die ihn mit Bioresonanz wunderbar unterstützte, das aufgelöste Frauchen daneben liegend…

Paco konnte 2 Tage später wieder schwankend laufen ohne umzukippen, und nach 4 Tagen das erste Mal wieder einen fremden Hund draußen anknurren, noch nie hab ich mich über sowas gefreut 😉

Er war nach 10 Tagen wieder komplett normal, bekam nach 2 Monaten einen kleinen Rückfall, der aber schnell wieder auskuriert war. Von da an bekam er zusätzlich durchblutungsfördernde Medikamente, die später auf Homöopathika umgestellt wurden.

Ja. Das war ein Schock. Obwohl ich das Krankheitsbild und den Verlauf schon lange kannte.

Von daher kann ich sehr gut verstehen, wie schockierend es ist, den eigenen Hund so vorzufinden.

Zack sind Schuldgefühle da, ob man was verpasst, übersehen oder falsch gemacht hat, und die große Angst seinen Gefährten zu verlieren. Ganz zu schweigen von dem Mitleid, dass das eigene Tier sowas durchmachen muss.

Aber so schlimm wie sich das Krankheitsbild darstellt, ist es gar nicht. Es ist unangenehm, ja, aber die Aussichten auf eine Heilung sind überaus gut. Hier ist nur etwas Geduld des Halters gefragt, und eine gute Therapie.

Entstehung und Symptome

Zu den Ursachen ist leider nichts genaues bekannt. Es ist eine geriatrische Erkrankung, also eine Erkrankung des älteren Tieres.

Das Vestibularsyndrom ensteht im Innenohr, im sogenannten Labyrinth (was im übrigen Vestibularorgan genannt wird).

Das haben wir alle irgendwann im Biologieunterricht mal gehört. Das war diese Sache mit Steigbügel, Hammer und Amboss, Gehörschnecke und den Bogengängen. Erinnern Sie sich?

Die Bogengänge des Labyrinths sind für den Gleichgewichtssinn zuständig. Sie geben uns fortlaufend Impulse ab, wo wir uns im Raum befinden.

Tritt nun eine Störung auf, z.B. eine Durchblutungsstörung, kann es zum Vestibularsyndrom kommen.

Jetzt werden keine eindeutigen Signale mehr ans Gehirn gesendet, und das Hirn weiß nicht mehr, wo oben, unten, rechts und links ist.

Die typischen Symptome sind deswegen Kopfschiefhaltung, Schwindel, Unkoordiniertheit, zuckende Augapfel (dies nennt man Nystagmus, schnelle Augenbewegungen von einer Seite zur anderen, oder sehr selten von oben nach unten) Übelkeit und Erbrechen.

Wie o.a. sind die Ursachen nicht klar, man vermutet Durchblutungsprobleme oder Verkalkungen, die dazu führen können.

andere Ursachen

Was man bei diesem Syndrom ausschließen muss ist z.B. der tatsächliche Schlaganfall, der eine ähnliche Symptomatik hat, aber meistens noch zu Lähmungen eines oder mehrerer Beine führt, oder eine Innenohrentzündung, die entstehen kann wenn eine Mittelohrentzündung durchs Trommelfell wandert, oder auch ein Fremdkörper, der sich durch das Trommelfell gebohrt hat.

Wie immer kann auch hier ein Tumor eine Ursache sein, oder eine schwere Infektionskrankheit.

Letzendlich kann man die Diagnose nur 100%ig stellen, wenn ein MRT gemacht wird (dies schreibe ich der Vollständigkeit halber),

Hierzu muss das Tier aber in Narkose gelegt werden, was auch wiederum in so einer angeschlagenen Situation nicht das schönste ist.

Ein erfahrenes Auge (das wage ich mal zu behaupten), wird den Unterschied zu den einzelnen Ursachen, und ob es sich um ein Vestibularsyndrom, oder doch den selteneren Schlaganfall handelt, sehen können.

Fazit

Letztendlich stehen die Heilungschancen bei einem Vestibularsyndrom sehr gut, auch wenn die Erkrankung anfangs nicht den Anschein macht, und das Wort Euthanasie wie ein Damokles-Schwert in den Köpfen schwingt.

Schulmedizinisch sind hier durchblutungsfördernde Mittel überaus wichtig, und die Zuführung von Vitamin B.

Unterstützend kann hier sehr viel aus der Naturheilkunde gegeben werden. Sei es um die Symptome zu lindern, und auch um die Heilung voranzutreiben und einen Rückfall zu vermeiden oder abzuglimpfen.

Und, was in keinem Falle fehlen darf: Geduld. Dem Tier die nötige Zeit geben und keine vorschnellen, unumkehrbaren Entscheidungen treffen.

Ruhe, Fürsorge und liebevolles püngeln unterstützen auch hier eine schnelle Genesung 😉

Mein geliebter Paco musste schließlich im Alter von 15 Jahren aufgrund einer Tumorerkrankung unter dem Schulterblatt erlöst werden, das Vestibularsyndrom lag da schon 1,5 Jahre zurück.

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