Antibiotika

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Hand hoch, wessen anvertrauter tierische Mitbewohner hatte in seinem Leben noch kein Antibiotikum?

Viele kommen da nicht zusammen. Denn seit Entdeckung des Antibiotikums und dessen Nutzen, wird damit zunehmend um sich geworfen wie an Karneval mit Kamelle.

Dabei sind Antibiotika-Missbrauch und Resistenzen in aller Munde, und doch wird bei so ziemlich allen Erkrankungen gleich mit diesem wertvollen Medikament behandelt.

Der Hund hat Hautprobleme? Lieber Antibiotika dazu, sicherheitshalber, damit sich nichts „draufsetzt“, die Katze hat Schnupfen? Wegen der Begleiterscheinungen gibt es lieber ein Antibiotikum dazu. Der Hund erbricht? Nicht dass sich böse Bakterien angesiedelt haben! Lieber ein Antibiotikum geben. Die Katze hatte eine Prügelei mit der Nachbarskatze? Besser ein Antibiotikum damit sich nichts entzündet…..

Das könnte man jetzt ewig mit vielerlei Dingen weiterführen.

Abgesehen von Verletzungen in die Bakterien eindringen können und dadurch eventuell schlimme Wundinfektionen entstehen, (ich schreibe extra oft „können“ und „eventuell“, da aus meiner Erfahrung nicht immer Antibiotika bei offenen Wunden/Bissen nötig sind, es gibt unzählige Alternativen) sind bei den oben genannten Beispielen doch lieber die Grundursachen anzugehen, und diese sind ausgesprochen selten Bakterien, da diese sich als Trittbrettfahrer gerne mit draufsetzen und sehr leicht anders therapieren lassen.

 

Antibiotika bedeutet übersetzt gegen Leben, also gegen das Leben. Und wie allgemein bekannt nimmt es sich nicht nur die „bösen“ Bakterien vor, sondern es kann nicht unterscheiden und killt die guten gleich mit. Dies ist nicht nur eine große Belastung für den Darm, der sich eigentlich relativ gut davon erholen kann, wenn er denn nicht sowieso schon durch sonstige Faktoren geschwächt ist, sondern auch für den gesamten Organismus.

Denn was viele nicht wissen, das Antibiotikum tötet nicht nur Bakterien ab. Es beschädigt und zerstört auch die Mitochondrien, das sind ursprünglich eingewanderte ehemalige Bakterien die die Kraftwerke unserer Zellen sind, und in jeder einzelnen Zelle, aus der wir wandelnden Zellberge zuhauf bestehen, sind gleich mehrere davon anzutreffen und sorgen dafür, das Energie erzeugt werden kann.

Durch Antibiotika werden viele davon komplett zerstört, oder funktionslos. Je länger oder häufiger die Antibiose besteht, desto mehr werden abgetötet. Das erklärt die Müdigkeit die viele nach einer Antibiotika-Gabe bemerken, und das merkt man auch vielen unserer Tiere an.

Der zweite Aspekt ist, das durch den Zerfall von den Mitochondrien vermehrt freie Radikale entstehen. Wer diese nicht kennt, freie Radikale tragen dazu bei den Zellverfall voranzutreiben, indem sie die DNA und RNA angreifen, Enzyme, Proteine und gesunde Fette zu zerstören. Sie beschleunigen den Alterungsprozess, und stehen im Verdacht maßgeblich an Erkrankungen wie Krebs, Diabetes, Arthrose, Demenz etc. beteiligt zu sein.

 

Doch wie entstehen Resistenzen? Denken sich die Bakterien eines Tages „Och nö, heute hab ich mal keine Lust auf sterben, ich leg jetzt meinen Kampfanzug an und dann sehen wir mal wer gewinnt!“ oder halten Bakteriengruppen einen Rat ab und starten eine Revolution?

Nein, Resistenzen sind natürliche Vorgänge die es schon immer gab, allerdings in einem nicht so rasanten Tempo wie heute.

In Mammut-DNA konnten bereits gewisse resistente Bakterien gefunden werden, komisch, denn wer hat dem Mammut Antibiotika gespritzt oder ihm Tabletten verabreicht? Antwort: Das hat das Mammut selbst, denn Antibiotika sind nichts anderes als Pilze, und der natürliche Instinkt sagt dem Mammut welches Kraut es jetzt fressen muss um wieder gesund zu werden.

 

Denn so schützen sich Pflanzen (besonders bei Bäumen kann man es gut nachweisen und verdeutlichen), vor eindringenden Krankheitserregern. Sie leben in Symbiose mit Pilzen. Ihr Wurzelwerk ist von feinen Pilzgeflechten umgeben die der Pflanze helfen verschiedenste Mikronährstoffe aufzunehmen, und gleichzeitig bekämpfen sie pathogene (krankmachende) Erreger. Dafür bekommen sie von der Pflanze/Baum Zucker als Nährstoff, den die Pilze aufgrund fehlender Fotosynthese nicht bilden können.

Das gleiche passiert bei allen Pflanzen, sie schützen sich mit einem natürlichen Antibiotikum, das abwehrt bevor es zu einer Erkrankung kommt, und dafür ernähren sie ihren Beschützer.

Und auch hier kommt es vor das einige Erreger im Laufe der Zeit resistent werden und den Schutzmechanismus umgehen. Sie geben dass in ihrer DNA den anderen Bakterien weiter und wir haben eine Resistenz, die sich auf örtliche Gebiete beschränkt hat. Die Pflanze stirbt ggf. an den resistenten Bakterien und die Bakterien im besten Falle mit ihr.

Doch das kann man mit den Resistenzen heutzutage nicht vergleichen. Denn dieser Vorgang dauerte hunderte Jahre und war örtlich begrenzt, heute ist die Welt, durch schnellen Fort(?)schritt und der „Krankheit“ Homo sapiens auf Überholspur, da entstehen Resistenzen eher weniger durch natürlichen Vorgang, sondern durch Missbrauch, falsche Anwendung und zu häufigen Einsatz.

 

Und jetzt noch mal kurz ein Ausflug zu meinem Aufrege-Thema-Nr.1:

Auch unsere Feldpflanzen (Getreide, Rüben, Mais, Kartoffeln etc.) leben normalerweise in Symbiose mit Pilzen. Bei ihnen ist das nichts anderes. Da der Feldbesitzer (ich nenne ihn absichtlich nicht Bauer, da ich es nicht verallgemeinern will) aber Angst vor einer krankhaften Verpilzung, oder vor unerwünschten Krankheiten/Parasiten hat, und damit aus wirtschaftlichen Gründen alles tut um keine Missernte zu bekommen, spritzt er ordentlich Gift (Glyphosat und Co) auf die Felder, die u.a. diese Pilze (und eigentlich so ziemlich alles) abtöten. Da der natürliche Abwehrschutz der Pflanze jetzt dahin ist, wird zwischendurch wiederholt gespritzt um auch weiterhin die künstliche Pflanzenkultur aufzuziehen.

Ist das der richtige Weg?? Alles muss immer mehr, größer und schneller gehen, immer mehr Profit muss abspringen und deswegen muss alles getan werden, um zu verhindern das Pflanzen erkranken und ausfallen. Unsere Nahrung wird immer giftiger, unser Grundwasser immer vergifteter, unsere Erde immer Arten-ärmer (das Insektensterben ist erst der Anfang…) in jedem Lebewesen lässt sich mittlerweile eine Glyphosat-Konzentration nachweisen!!!

 

So ist es auch in der Massentierzucht. Die Tiere werden vorsorglich mit Antibiotika im Futter gemästet, um keine Krankheit zu entwickeln. Denn erkrankt ein Einzeltier, besteht die große Gefahr, das dass auf alle anderen übergeht, und das finanzielle Risiko wäre zu hoch.

 

🙁

 

 

Ein Antibiotikum ist ein Mittel, dass in der hintersten Ecke des Medizinschrankes stehen sollte. Nicht weil es so schrecklich ist, sondern weil es das kostbarste Medikament ist das wir derzeit haben! Es sollte nur gezielt eingesetzt werden wenn es um Leben oder Tod geht, und nicht bei einer Lapalie, damit „sicherheitshalber“ nichts geschieht.

 

Ein alltägliches Beispiel:

 

Frau Schmidt geht mit ihrem Lucky zum Tierarzt. Lucky hat die letzte Nacht Durchfall gehabt und Frau Schmidt musste ständig mit ihm raus, das hat ihr den ganzen Schlaf geraubt und sie möchte jetzt das der Tierarzt was dagegen tut. Der Tierarzt spritzt ein Antibiotikum und gibt noch Tabletten zur weiteren Gabe mit. Frau Schmidt ist glücklich, der Durchfall ist gestoppt. Allerdings geht das ganze nach der letzten Tablettengabe wieder erneut los, Lucky muss nachts raus, hat Durchfall, Frau Schmidt kann nicht schlafen.

Erneuter Besuch beim Tierarzt. Frau Schmidt verlässt die Praxis mit einem anderen Antibiotikum, das soll es richten. Es wird auch wieder erst besser, aber nach einem Monat hat Lucky schon wieder Durchfall! Es steht der nächste Tierarztbesuch an, dreimal dürfen sie raten mit was Frau Schmidt die Praxis verlässt…

 

Jetzt nehmen wir noch mal die gleiche Situation aus Sicht von „innen“.

Drei verschiedene Bakteriengruppen haben es sich in Lucky`s Darm bequem gemacht. Die Tür stand offen, (der Darm war vorgeschädigt) und ein willkommen`s Schild hing an der Tür. Diese drei Bakteriengruppen (Gruppe A, B und C) machen hier jetzt eine Party und lassen so richtig die Sau raus. Der Darm findet das gar nicht lustig und erhöht die Peristaltik (Darmbewegung) um die Eindringlinge loszuwerden. Es gibt Durchfall, der Darm versucht sich damit schnellstmöglich zu helfen und alles raus zu schwemmen.

Jetzt kommt Antibiotikum A, es killt die erste Bakteriengruppe, die anderen beiden Gruppen lachen darüber, denn Antibiotikum A kennen sie schon, das kann ihnen nichts mehr anhaben.

Die Party geht weiter, wenn auch ruhiger, denn Bakteriengruppe A war schon ne Raufbande.

Antibiotikum B kommt, es rafft Gruppe B dahin, und Gruppe C widersteht dem Gift. Was haben wir jetzt? Richtig, eine Bakteriengruppe die bereits gegen Antibiotika A und B resistent ist, und weshalb? wegen Durchfall….. und dies ist kein abwegiges Beispiel, sondern eine alltägliche Situation, die genauso tagtäglich in allerlei Praxen stattfindet.

 

In diesem Beispiel war der Durchfall jetzt bakterienbedingt, allerdings haben sich die Bakterien nur draufgesetzt, da der Darm schon vorgeschädigt war. Ein starker Darm hätte dem widerstanden oder es mit Hilfe seines Immunsystems selbst schnell reguliert bekommen. Hier wäre der heilende Behandlungsansatz zu suchen…

Man hätte mit alternativen Mitteln schnell und gut helfen können, ohne Lucky zu belasten und ohne Resistenzen zu fördern.

Den Tierarzt trifft auch nur teilweise die Schuld, zum einen stehen viele Tierärzte unter Zugzwang, denn der Tierhalter erwartet eine schnelle Besserung und eine kostengünstige Behandlung. Hätte der Tierarzt zu Beginn bei Lucky eine große Diagnostik, mit Abklärung von Parasiten, einem Kotprofil ans Labor zur Abklärung der Darmbesiedelung, einem Antibiogramm und vielleicht sogar noch ein Allergietest aufgefahren, wäre Frau Schmidt nicht nur hunderte Euros los, sondern der Tierarzt sicherlich auch einen Kunden.

Wäre der Durchfall nicht schnell weg gewesen, und hätte Frau Schmidt noch eine schlaflose Nacht gehabt, wäre Sie am nächsten Tag sicherlich zu einem anderen Tierarzt gefahren.

Und wie hätte der wohl behandelt?

 

Damit will ich sagen: Wir alle müssen uns mit dem Thema mehr befassen. Wir alle sollten verantwortungsbewusst mit diesem wertvollen Medikament umgehen, es nur einsetzen wenn es keine Alternativen gibt, wenn es ein lebensbedrohlicher Zustand ist, oder droht einer zu werden. Oder wollen Sie eines Tages an einer Erkältung sterben, weil kein Antibiotikum mehr hilft? Oder wollen sie zusehen, wie die entzündete Operationswunde ihres Tieres nach und nach schlechter wird und ihr Tier an Blutvergiftung stirbt, weil kein Antibiotika mehr helfen kann?

 

Immer wieder versucht die Regierung etwas gegen Antibiotika-Resistenzen zu unternehmen.

Sei es die vor zwei Jahren im Gespräch befindliche Regelung zu homöopathischer Arznei, die es jedem Heilpraktiker in Zukunft unmöglich gemacht hätte ohne Arzt-Approbation ein Mittel zu verschreiben, da demnach alles verschreibungspflichtig geworden wäre. Hintergrund war, das durch Homöopathika und andere alternativen Heilmittel die Antibiotika-Resistenzen voran getrieben werden würden (was sicherlich ein an den Haaren herangezogener und vorgeschobener Grund war, und meiner Meinung nach die Pharma-Riesen einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die versuchte Regelung hatten). Und das obwohl es doch sowieso keine nachgewiesene Wirkung bei der Homöopathie gibt! 😛

Bisher blieb es still darum, ich hoffe das es weiterhin so bleibt.

 

Ein anderer Versuch ist die zunehmende Verschärfung des Arzneimittelgesetzes.

Seit März 2018 haben Tierärzte bei bestimmten Antibiotikagruppen die Auflage, ein Antibiogramm anfertigen zu lassen, um es für die Behandlung nutzen zu dürfen. Auch darf kein Antibiotium ohne vorherig erfolgte Untersuchung abgegeben werden. Klingt gut, ist es aber nur teilweise, denn der einzige Vorteil der dadurch entsteht ist, das Tierarzt und Tierbesitzer gezwungen werden sich etwas mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Die Anwendung wird sicherlich nicht deutlich dadurch zurückgehen.

Denn erstens: Tierärzte haben keine Alternativen, hier wäre es wichtiger andere Behandlungsmöglichkeiten schon im Studium zu schulen, da die aber nicht unbedingt alle als schulmedizinisch wertvoll anerkannt werden, beißt sich hier die Katze in den Schwanz.

Zweitens: es gilt nicht für alle Antibiotika. Der Tierarzt kann also weiterhin im gewohnten Maße Antibiotika anwenden, muss nur bestimmte Gruppen auslassen, wenn er kein Antibiogramm anfertigen lassen möchte.

Drittens: Wenn er die Antibiogramm-pflichtigen Antibiotika anwenden will, kann er das sofort tun, er muss nur parallel einen Abstrich für ein Antibiogramm machen. Kommt bei dem Ergebnis raus dass das eingesetzte Antibiotikum resistent ist, nimmt er eben ein anderes. Auch hier haben wir kein Antibiotika-Ersparnis dadurch.

Viertens: In der Massentierhaltung gelten wieder besondere Ausnahmeregelungen, denn hier wird in dem Bestand nicht unbedingt das Einzeltier behandelt…

Fünftens: Es entsteht ein erhöhter Arbeitsaufwand für den Tierarzt, und damit ein erhöhter Kostenaufwand für den Tierbesitzer.

 

Es können zig Gesetze und neue Regelungen von der Regierung aufgegeben werden, das wird alles keinen Nutzen bringen. Wichtig ist, dass es ein Umdenken in unseren Köpfen gibt!

Wir Tierhalter sind dazu aufgerufen nach Alternativen zu schauen, uns an andere Behandlungsmöglichkeiten ranzuwagen und ihnen eine Chance zu geben, nicht bei jedem  Durchfällchen oder Kratzer nach Antibiotika zu schreien, sondern sich auf die Ursache und dessen Heilung zu besinnen!

Die Tierärzte sollten sich dazu aufgerufen fühlen, mehr die Grundursache anzugehen anstatt das Symptom an sich zu behandeln. Sich auch mal trauen nicht bei jeder Erkrankung direkt ein Antibiotikum zu geben, und auch nicht bei Erkrankungen aller Art „zur Sicherheit“ ein Antibiotikum mit drauf zu packen, sondern nur wenn es wirklich sein muss!

Die Pharmaindustrie (wobei ich hier lieber auf kleinere Firmen setze) ist angehalten, andere Medikamente zu entwickeln, die nicht auf Zerstörung aus sind, sondern auf Regulation und Heilung.

Wir Heilpraktiker sind dazu aufgerufen, uns mit allen zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten einen anderen Weg aufzuzeigen, unser Berufsfeld weiter bekannt zu machen, und, wieder Natur statt Chemie den Körper heilen zu lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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