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Oh Schreck, Grannenzeit!!!

Da geh ich mit den Hundis bei schönstem Sonnenuntergang spazieren und denke mir: Was wäre ein gutes Thema für den nächsten Blog, was würde die Leser interessieren? Ideen kommen da viele, aber es soll eins sein was thematisch zum Sommer passt und am hilfreichsten ist. Zuhause angekommen, watschelt kurze Zeit später mein kleiner Bulgare Bran (der mit mir lebende verrückt-süße Husky) zu mir und schmatzt in einer Tour. Ich schaue ihm ins Maul, und habe mein neues Thema gefunden, den hier steckt eine formschöne große Granne zwischen den Backenzähnen und fühlt sich da wohl. Ohne eine praktische Menschenhand hätte sie da sicherlich noch einige Zeit gehangen, und jeder weiß wie unangenehm es sein kann etwas zwischen den Zähnen zu haben. Also, danke Bran für deinen Einsatz!

 

Grannen….. viele andere Hundehalter durften schon unangenehme Bekanntschaften mit ihnen machen, aber viele werden die Gefahr die von ihnen ausgeht auch nicht kennen.

Grannen sind Grasblüten bzw. Getreideblüten, die an sich schön aussehen, aber durch ihre Widerhaken eine blöde Erfindung der Natur für unsere Tiere sind. Ja, die Natur macht nichts blödes, das stimmt. Aber wer hätte auch daran denken können das es irgendwann ein Kleinkrieg zwischen Grannen und Hunden geben wird?

Denn eigentlich brauchen diese Getreidearten ihre Grannen. Sie wachsen oben am Köpfchen des Halmes und reifen, sind erst grün und formbar, später gelb und fester. Sobald sie gereift sind, werden sie entweder vom Wind weggetragen und auf den hoffentlich fruchtfähigen Erdboden geweht, um sich dort einzuhaken und neues Gras wachsen zu lassen, oder von einem daherstreifenden Tier per Anhalter mitgenommen um irgendwann abgeschubbelt zu werden. Das zum eigentlichen Grund.

Doch leider passiert es sehr häufig das diese Granne wortwörtlich einen Fehlwirt erwischt, und statt auf der Erde zu landen, im Hund landet (wohlgemerkt IM Hund, nicht auf dem Hund). Und das nicht im Freiflug mit Zielscheibe, sondern beiläufig beim vorangehen und abstreifen, oder beim durch die Wiese rasen, oder auch beim ruhigen Spaziergang.

Oft gibt es dann folgende Probleme:

 

Granne im Ohr – der Hund schüttelt unentwegt die Ohren, versucht sich dort zu kratzen und quietscht wenn man ihm ans Ohr geht. Nun muss der Tierarzt ran. Denn ist die Granne im Gehörgang, sollte sie unmittelbar entfernt werden. Hält der Patient schön still geht das ziemlich flott, wenn nicht muss eine Narkose her. Wird der Fremdkörper nicht schnell entfernt, ist das zum einen sehr sehr unangenehm, zum anderen verletzt die Granne durch ihre stachelartigen Haare den Gehörgang, was eine Ohrentzündung nach sich ziehen kann.

 

Granne in der Pfote – der Renner nicht nur bei langhaarigen Hunden im Sommer. Man nennt es dann eine Zwischenzehenentzündung. Der Hund  tritt sich beim Spaziergang eine Granne unter die Pfoten, die hängt meist erstmal nur im Fell, macht sich also nicht bemerkbar. Doch durch Bewegung hakt sich die Granne nach und nach in die Haut zwischen den Zehen, und wandert dort komplett ein. Nun gibt es eine dicke Entzündung mit Schwellung und der Hund leckt an seiner Pfote. Erst jetzt merkt der Halter das etwas nicht stimmt, und geht zum Tierarzt. Mit Hilfe von Zugsalbe und Verband wird die Granne zum herauskommen gezwungen, teilweise durchwandert sie die Pfote von der Unter- zur Oberseite (oder anders herum) und kommt dort wieder zum Vorschein! Der Körper bildet eine Schwellung mit Wundwasser und teilweise Eiter, um den Fremdkörper loszuwerden.

Manche Tierärzte greifen hier direkt zur Narkose um die Schwellung zu eröffnen und die Granne zu entfernen. Hiervon rate ich ab, da zum einen eine Narkose nur gemacht werden sollte wenn es unumgänglich ist, des weiteren gestaltet sich die Suche nach der Granne oft als schwierig und viel Gewebe wird dabei in Mitleidenschaft gezogen, und zum anderen kommt die Granne auch auf natürliche Weise wieder raus, es kann nur in Einzelfällen etwas länger dauern und sollte tierärztlich unterstützt werden.

 

Granne in der Nase – eine Seltenheit, aber leider auch vorkommend. Dieser Fall ist äußerst blöde, denn hier bedarf es einer Endoskopie mit Narkose, die Granne kann nur so entfernt werden. Vielfaches Niesen und reiben an der Schnauze weisen darauf hin, typischerweise urplötzliche Symptome nach einem Spaziergang.

 

Granne im Maul – zwischen den Zähnen können sie sich ins Zahnfleisch einhaken, oder unter der Zunge, dies passiert oft wenn der Hund hechelnderweise durch Gräser läuft. Oft werden Grannen dann einfach abgeschluckt und kommen später wieder hinten raus (durch Speichel werden die Grannenhaare eingeschleimt und können nichts verletzen), aber bei besonderen Pechvögeln kann es auch passieren das die Granne ins Zahnfleisch piekst und dort Entzündungen auslöst oder einwandert.

 

Granne im Auge – dies kommt leider auch immer wieder mal vor, gerade wenn der Hund durch die Wiese rennt. Die Granne verfängt sich dabei meist ins Unterlid, oder rutscht in den Augeninnen- oder Augenaußenwinkel. Symptome sind reiben am Auge, Tränenfluss, und zukneifen des Auges.

Auch hier bleibt einem nicht der Gang zum Tierarzt erspart, denn auch wenn der Halter das Problem erkennt und die Granne noch entfernen kann, hier droht die Gefahr einer Hornhautverletzung des Auges! Dies muss mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit diagnostiziert und anschließend mit Augensalben behandelt werden, ansonsten droht im schlimmsten Falle der Verlust des Auges!

 

Grundsätzlich können sich Grannen überall am Hund verirren.

 

Wie beuge ich jetzt vor?

 

Gegenden zu meiden wo Grannen sind, ist ein quasi unmögliches Unterfangen, außer man geht auf einem asphaltierten sterilen Platz spazieren. Grannen wachsen fast überall. An Feldern, an Wegesrändern, an Bordsteinkanten….

Deswegen ist der einzige Schutz den Hund nach jedem Spaziergang abzusuchen, besonders die Pfoten und Ohren zu kontrollieren, denn die Grannen spießen sich nicht sofort ein und saugen sich in den Hund, sondern wandern nach und nach in Pfote und Co. Gerade Haltern langhaariger Hunde wird angeraten die Haare im Sommer an den Pfoten kurz zu halten und immer zu kontrollieren.

Die Ohren kontrolliert man am besten unmittelbar nach dem Spaziergang, denn hier liegen die Grannen (meist gut ersichtlich) erst in der Ohrmuschel lose, oder sie hängen am Rand der Ohrmuschel im Fell. Wenn es aber ganz blöd läuft, kann es auch passieren das die Granne tatsächlich sofort komplett ins Ohr fällt, hier kann man keine Anzeichen sehen und merkt es erst am Verhalten des Hundes das etwas nicht stimmt.

Hier als Tipp: entweder man setzt dem Hund (wenn er diese Problematik schon öfters hatte, denn manche Hunde sind wahre Grannen-Magneten) eine Art Haube auf, wie ein Kopftuch das über die Ohren geht (hier ist kreatives Nähen mit Gummiband an beiden Enden gefragt), oder man gewöhnt den Hund an, ja, sie lesen richtig, Tampons!

Wer ein besetztes Ohr hat, lässt auch keine Grannen mehr rein. Und so wie wir uns beim Tauchen oder bei Lärm schon mal Ohrschutz-Stöpsel ins Ohr packen, passen bei den Hunden Tampons als Ohrschutz gut rein. Sicherlich ist dafür erst ein Training und eine Gewöhnung nötig, aber wenn der Hund es lernt zu akzeptieren, kann man dies gut als Schutz (nur beim Spaziergang) verwenden. (Genauso ist dies für Wasserratten geeignet die zu Ohrentzündungen durch die ständige Feuchtigkeit im Ohr neigen, nur am Rande erwähnt)

 

So können dem Hund Schmerzen und unnötige Entzündungen/Verletzungen erspart bleiben, und dem Halter die ein oder andere Tierarztrechung 😉

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