Hitzschlag??

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Hitzschlag??

Der Sommer ist da, für die meisten von uns eine wunderschöne Jahreszeit die sehnlichst erwartet wird und doch immer gefühlt so schnell vorüber ist…

Für einen Großteil unserer Tiere ist der Sommer aber das genaue Gegenteil, eine Zeit mit vielen Gefahren, und eine Zeit die auch viele Tier-Senioren an den Rand ihrer Lebenskraft bringt 🙁

 

Nicht nur Hunde und Katzen leiden oft unter der Hitze, auch unsere Groß- und Heimtiere, Reptilien und Vögel.

Ich werde in diesem Blog nur auf Hunde eingehen, da sie als unsere ständigen Begleiter am meisten gefährdet sind. Ein Blog für andere Tierarten, die Gefahrvermeidung für jene im Sommer und Tipps zum Umgang mit der Hitze folgt.

 

Dieser Blog handelt von den Gefahren eines Hitzschlags, er sollte mittlerweile jedem bekannt sein, und doch sterben jeden Sommer viele Hunde daran. In den meisten Fällen sind es vermeidbare Todesfälle die durch Unwissenheit oder Unterschätzung zustande kommen.

Deshalb kann man nie genug darüber informiert werden!

 

Einer der dramatischsten und zugleich grausamsten Momente war es für mich,  in meiner Laufbahn als Tierarzthelferin, einem vom Hitzschlag betroffenen Hund beim sterben zusehen zu müssen. Trotz aller tierärztlichen Bemühungen stieg die Körpertemperatur der Hündin stetig an, bis zu ihrem Ende 🙁

Was für die Besitzer (die unschuldig daran waren) eine kaum auszuhaltende und quälende Situation war, brannte sich bei mir so ins Hirn, dass es mir bis heute (beim Gedanken daran) nachläuft.

 

Doch warum und wie kommt es zu einem Hitzschlag?

 

als unsere besten Freunde kommen Hunde sehr häufig in Situationen, in denen wir uns Abkühlung verschaffen können, sie aber nicht. Wir Menschen haben das Glück viele Schweißdrüsen zu besitzen, die unserem Körper die Abkühlung erleichtert. Auch können wir uns im Sommer luftiger kleiden und damit allein Abhilfe schaffen.

Unsere Hunde können nur über das Hecheln Wärme abgeben und sich damit klimatisieren.

 

Über die Pfoten wird auch etwas Wärme abgeleitet, allerdings nur wenn der Boden dafür geeignet ist (kühle Fliesen, kühles Holz, Erde, Steinboden).

 

Allgemein sollten die Gefahren von zuviel Sonneneinstrahlung und dessen Folgen bekannt sein. Doch die berühmteste und mit tragischste Situation stellt nach wie vor das Auto dar. Es ist (oder sollte) mittlerweile jedem Tierhalter ins Hirn gebrannt sein, dass das Auto eine Hitzefalle ist. Was im Spätherbst und Winter kein Problem ist, der kurze Einkauf mit Hund im Auto, ist im Sommer eine nicht zu unterschätzende Todesfalle. Berichte gibt es hier zuhauf, von Todesfällen, befreiten Hunden, Selbstexperimenten mit Menschen usw.

 

Auch lange Spaziergänge in der prallen Sonne sollten je nach Alter und Fitness-Zustand angepasst, und möglichst ganz vermieden oder sehr kurz gehalten werden. Fahrrad-fahrende Halter mit Hund sieht man leider immer wieder bei schwülstem Wetter, dabei sollte hierbei jedem klar sein, dass die Gefahr von einem Hitzschlag jederzeit besteht! Und es gibt auch Hunde, die sich auf heißem Asphalt die Hornhaut an den Zehen verbrennen, gar wegbrennen. Sind sie einmal barfuß im Hochsommer auf dem Asphalt gelaufen? Arg warm, nicht?

 

Eine große Last haben auch brachiocephale (kurzschnäuzige) Hunde, wie der Mops, die Französische Bulldogge, die Englische Bulldogge, Shi-Tzu`s usw.

Dass ihre Schnauze zu kurz ist um beim hecheln genug Hitzeaustausch stattfinden zu lassen, ist das eine Problem. Das andere ist, das der gesamte Nasen- und Rachenraum meist stark verengt ist und somit weniger Luft zirkulieren kann. Zusätzlich haben diese Hunde sehr kleine und verengte Nasenlöcher, sodass die Einatmung eingeschränkt ist. Schon bei leichter Wärme haben Vertreter dieser Rassen beginnende Kreislaufprobleme. Auf sie sollte deshalb bei heißem Wetter besondere Rücksicht genommen werden.

 

Auch unsere lieben Senioren brauchen besondere Aufmerksamkeit. Ihr Kreislaufsystem ist meist nicht mehr so gut und belastbar wie in jungen Jahren. Hier hilft Crataegus (Weißdorn) als Kreislaufmittel sehr gut.

Mit Senioren sollte man in den frühen Morgen- und späten Abendstunden eine Runde drehen, ansonsten sollten Belastungen vermieden werden. Hier ist der Halter gefragt, sein ihm lange bekanntes Tier gut zu beobachten, und einzuschätzen was zumutbar ist und was nicht.

 

Was passiert eigentlich beim Hitzschlag?

 

Die normale Körpertemperatur beim Hund liegt zwischen 38-39°C.

Durch längere Hitzeeinwirkung von außen steigt die Körpertemperatur an, der Hund versucht dem mit erhöhter Atemfrequenz und hecheln entgegenzusteuern, dabei wird Luft durch die Nase eingeatmet, und wärmere Luft durchs Maul stoßweise ausgeatmet. Dauert die Hitzeeinwirkung an, steigt die Körpertemperatur weiter und erreicht die 41°C, nun beginnt der Kreislauf das Blut vermehrt in die Peripherie (Beine, Pfoten, Kopf) zu pumpen, um darüber noch Abkühlung zu erhalten.

Ab jetzt spricht man vom beginnenden Hitzschlag.

Symptome: Schlappheit, Desinteresse, Apathie, oder auch Unruhezustände mit Panik, starkes hecheln mit viel Speichelfluss, gerötete Schleimhäute (Augen, Zunge), erhöhter Puls, evtl. erbrechen/Durchfall…

…schreitet dieser Zustand fort fällt der Hund in Bewusstlosigkeit, hechelt dabei aber weiter!

Nun können Zitterkrämpfe eintreten, die Schleimhäute werden bläulich, der Hund wird schließlich komatös.

Durch den weiteren Anstieg der Körpertemperatur gerinnt das Eiweiß im Blut, das Blut kann nicht mehr fließen. Das Gehirn schwillt an und bildet ein Gehirnödem, deshalb kommt es zur Bewusstlosigkeit.

 

Wenn es nun passiert ist, der Hund zeigt Anzeichen eines beginnenden Hitzschlags, was kann ich tun?

Als erste Maßnahme, raus aus der Sonne. Möglichst einen schattigen, kühlen Platz aufsuchen. Lauwarmes Wasser anbieten. Bitte keine Massen trinken lassen, sondern bremsen und lieber öfters trinken lassen.

Nun sollte man die Körpertemperatur mit einem Thermometer rektal messen. Liegt die Temperatur schon bei 41,0°, möglichst schnell zum Tierarzt! Und gleichzeitig können erste Maßnahmen zuhause ergriffen werden:

feuchte Handtücher werden um die Beine gewickelt, auch in den Nacken gelegt. Peu à Peu kann der restliche Körper mit feuchten Tüchern versorgt werden, dies muss langsam geschehen, um keinen Kreislaufkollaps herauf zu beschwören!!! Da die Tücher schnell warm werden, sollten sie regelmäßig ausgetauscht bzw. erneut nass gemacht werden.

Ca. alle 5 Minuten sollte die Temperatur überprüft werden, damit sie nicht unter 39,0° sinkt.

 

Zusätzlich ist das homöopathische Mittel Aconitum napellus D6 sehr hilfreich. Es kann alle 10 Minuten gegeben werden, bis zum Normalzustand.

 

Aber damit es gar nicht erst soweit kommt sollten im Sommer Gefahren einfach vermieden werden. Staut sich im Haus/in der Wohnung die Wärme, können kühle feuchte Handtücher zum draufliegen angeboten werden. Es gibt auch spezielle Kühlmatten für Hunde zu kaufen, diese sind dann nicht feucht, sondern kühlen einfach beim draufliegen.

Kühlakkus und Kühlpads sollten vermieden werden! Gefrorene Kühlakkus sind einfach zu kalt, und Kühlpads aus dem Kühlschrank beinhalten hochgiftige Frostschutzmittel, werden diese angekaut und die Flüssigkeit bzw. das Kühlgel aufgenommen, droht eine lebensgefährliche Vergiftung!

 

Spaziergänge sollten wie erwähnt früh morgens und spät abends stattfinden, ansonsten nur kurze Gänge zum Geschäft machen erledigen. Aber auch Spaziergänge zum Rhein und Co., an Bächen, Seen oder sonstigen Abkühlmöglichkeiten, bieten sich sehr gut an.

Viele Hunde sind auch begeisterte Wasser-Sprenkler-Clowns 😉

 

An den heißen Tagen fragen sich viele Hundehalter auch, ob sie ihrem Hund durch Fell scheren Abhilfe schaffen. Dies kommt ganz auf die Rasse an. Würde man z.B. einen nordischen Hund wie den Husky scheren, würde er unter der Hitze mehr leiden. Er hat Fell das ihn isoliert. Im Winter wärmt es, im Sommer schirmt es die Hitze ab. Wäre der Pelz im Sommer abgeschoren, könnte er sich nicht mehr isolieren und würde mehr Probleme bekommen!

So geht es auch vielen anderen Rassen (Berner-Sennenhund, Hovawart, Kuvasc usw.).

Ihr Pelz stellt einen Hitze-Schutz dar, so paradox das auch für uns klingen mag. Außerdem besteht ohne das Fell die Gefahr eines Sonnenbrandes, und sollte es doch schneller als erwartet kühler werden, steigt die Gefahr einer Erkältung oder Blasenentzündung.

Wer sich die Frage stellt, ob es seinem Hund Erleichterung bringen kann, sollte einen ausgebildeten und fachkundigen Hundefriseur danach fragen.

Was auf jeden Fall bei jeder Rasse oder bei jedem Mischling hilft, ist auskämmen. Der Winterpelz sollte so schnell wie möglich ausgekämmt werden, und pünktlich zum Sommer gewechselt sein 🙂

 

 

 

 

 

 

 

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