Konjunktivitis follikularis

FIP – Nr. 3 der tödlichen (?) Virusinfektionen der Katze
Dezember 13, 2020
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Was sich wie ein kleiner Zungenbrecher anhört, ist im Grunde nichts spektakuläres.

Ich übersetze es mal eben: Es heißt „Bindehautentzündung, verursacht durch kleine Follikel (Bläschen)“.

Hundehalter die einen jungen Hund haben oder je hatten, durften es eventuell schon miterleben.

Symptome

Die Symptome sind schnell beschrieben, es ist eine wiederkehrende Augenentzündung, die sich durch Augenausfluß, gerötete Augen und im schlimmsten Falle auch exsessiven Pfotenreiben an den Augen bemerkbar macht. Dazwischen sind Phasen wo scheinbar wieder alles gut ist, bis es aufs neue anfängt zu tränen und die alten Beschwerden wiederkehren.

Typischerweise tritt diese Problematik im Alter von 6 Monaten bis 1,5 Jahre auf.

Die Ursache?

Ich habe oben sogenannte Follikel angeführt, und diese sind der Auslöser für die Augenentzündungen.

Sie sitzen auf, in den allermeisten Fällen aber unter dem dritten Augenlid (auch Nickhaut genannt).

Dies ist ein Häutchen, dass unsere Hunde, wie auch viele andere Tiere, zum zusätzlichen Schutz des Auges besitzen.

Es liegt im inneren Augenwinkel und schließt sich beim Schlaf, und weckt man seinen Hund, sieht man es meist noch zurückschnellen. Auch bei leichtem Druck auf den Augapfel schließt sie sich.

Und auf diesem Häutchen, können sich bei jungen, heranwachsenden Hunden, lymphatische Bläschen bilden.

Das Immunsystem lernt…

Das geschieht aus einem einfachen Grund. Wie jedes junge Lebewesen, muss auch bei unseren Hunden das Immunsystem erst einmal lernen. Es muss lernen wie Erreger erfolgreich abgewehrt werden, was normale und was gefährliche äußere Einflüsse sind, usw.

Und am Auge hat das Immunsystem mit vielem Unbekannten direkten Kontakt, wenn es noch jung ist 😉

Staub, Pollen, Haare, Speichel, Wasser, das ein oder andere Pflanzenteil, (die Liste könnte noch beliebig erweitert werden) kommen früher oder später mit dem äußeren sichtbaren Teil des Auges, der Hornhaut, in Berührung. Und die Nickhaut liegt direkt an der Hornhaut.

Die Hornhaut des Auges ist, aus logischer „Sicht“ (was eine Doppeldeutigkeit!) nicht durchblutet, und damit durchsichtig. Sie kann also auf diese zunächst fremden Eindringlinge nicht reagieren. Doch die Nickhaut, die direkt an der Hornhaut liegt, kann dies. Und sie birgt etwas schlaues in sich.

Kleinste Lymphbahnen durchziehen sie.

Das Lymphsystem…

ist die Autobahn für die Müllabfuhr. Es gibt Lymphbahnen im ganzen Körper, die genauso wie die Blutgefäße einen Körperkreislauf durchlaufen, und Lymphknoten, die quasi als Filterpunkte der Lymphgefäße dienen.

Liegt eine Infektion vor, z.B. eine Halsentzündung, werden hier (dank dem gut gelehrten Immunsystem) schnell weiße Blutkörperchen hingeschickt, die im besten Falle die Erreger zügig beseitigen, und die „Leichen“ werden in die Lymphgefäße kutschiert, wo auch alle anderen anfallenden Abfallstoffe des Körpers wie Stoffwechsel-Schlacken, Eiweiße… abtransportiert werden.

Das Ziel sind die Knoten, wo die Lymphflüssigkeit mit ihren Abfallprodukten dann gefiltert wird.

Deswegen schwillen Lymphknoten bei Erkrankungen an, sinnigerweise am nächstliegenden Infektionsherd.

Und so hat man bei einer Halsentzündung dicke Lymphknoten (Unterkieferlymphknoten= Mandibularlymphknoten). Und oft auch dicke Mandeln, denn auch die sind Lymphknoten.

Wie eine Himbeere

Zurück zu der tierischen Nickhaut. Hier bilden sich nun kleine Lymphbläschen, die sich über die fremden Partikel aufregen. Es ist schlau vom Körper, er kennt etwas nicht, daher könnte es potenziell gefährlich sein, und das Immunsystem regt sich auf.

Grundsätzlich eine überlebenswichtige Eigenschaft, doch hier übertreibt das Immunsystem, es gerät in Rage und zeigt dies mit einer Batterie von Bläschen.

Wir können uns das wie eine Himbeere vorstellen, dreht man also die Nickhaut um, reiht sich hier Bläschen an Bläschen. Alles kleine, wunderschöne Follikelchen.

Der Nachteil: Es reibt auf der Hornhaut und reizt damit das Auge. Die Bindehäute können sich entzünden, werden puterrot und fangen an vermehrt Sekret zu bilden, um den vermeintlichen „Fremdkörper“ wegzuspülen. Das kann aber nicht klappen, da die Bläschen ja fest auf der Nickhaut sitzen. Eine Kaskade, die außer Kontrolle gerät, und so sicherlich auch nicht vom Immunsystem beabsichtigt war. Denn jetzt haben wir hier eine Entzündung mit wirklichen Erregern, denn oftmals kommen hier noch Bakterien ins Spiel, die sich in einem eitrigen Augenausfluß zeigen.

Vielleicht hatten Sie auch schon mal ein kleines Bläschen am unteren Augenlid, und wissen wie nervig das sein kann, man hat stetig ein Fremdkörpergefühl im Auge, und denkt irgendwo muss doch ein Häarchen im Auge sein! Und jetzt stellen Sie sich diesen Reiz mal 1000 vor….

Und die Lösung?

In der Regel bemerkt das Immunsystem mit der Zeit, dass die Bedrohung nicht so schlimm ist, und fährt sich wieder runter. Es lernt Gut von Böse zu unterscheiden. So der Normalfall.

Dann gibt es aber leider auch die hysterischen Typen, die das nicht so schnell akzeptieren.

Der arme Hund hat also immer wieder knallrote, tränende Augen, und ein Fremdkörpergefühl.

Was kann man nun tun?

In der Schulmedizin gibt es die Möglichkeit, die schlimmen Phasen mit Cortison- und Antibiotika-haltigen Augentropfen (oder Salben) zu dämpfen. Das Antibiotikum bekämpft die durch Bakterien verschlimmerten Entzündungserscheinungen, und das Cortison hilft die Follikel zu verkleinern, da es das Immunsystem dämpft.

Da man dies aber nicht wochenlang ununterbrochen machen kann, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder die selben Symptome auftreten.

Abgesehen davon, ist es auch nicht so schön das Immunsystem runterzudrücken, auch wenn es nur mit einer kleinen Dosis von Cortison geschieht, denn diese überzogene Immunreaktion dient ja dem lernen, und wie soll das Immunsystem lernen, wenn es dort ausgeschaltet wird?

Also gibt es noch die andere Lösung für Härtefä(e)lle: Die chirurgische Entfernung der Bläschen.

Hier wird, natürlich unter Narkose, die Nickhaut vorgezogen, und mithilfe eines sogenannten „scharfen Löffel“ werden die störenden Lymphfollikel abgekratzt. Eine blutige und unschöne Angelegenheit. Denn hier muss natürlich heftig an der Nickhaut manipuliert werden, bis alle Bläschen weggekratzt sind.

Nach der Operation gibt es noch ein paar Tage oben benannte Augentropfen, und der Spuk ist nach 1-2 Wochen vorbei.

Eine Alternative…

Doch warum sollte ich das Immunsystem dämpfen, oder ihm gewaltsam seine Bläschen abkratzen, wenn ich ihm doch einfach die Information geben kann: „reg dich nicht auf, es ist nichts bedrohliches, nur ein ungefährliches Staubkorn“.

Wäre das nicht eine schöne Vorstellung?

Darf ich Ihnen was verraten? Die Naturheilkunde hat da was….

Wovon ich hier schreibe, sind sogenannte Immunmodulatoren.

Immunmodulatoren sind in der Lage, ein überschießendes Immunsystem zu beruhigen, und ein faules Immunsystem in den Allerwertesten zu treten. Genau so, wie es der Organismus braucht.

Eine ganz tolle Sache wie ich finde.

Denn Sie können nicht nur bei den störenden Follikeln, sondern auch bei so vielen anderen Erkrankungen eingesetzt werden, ohne das Immunsystem in seiner Funktion zu stören.

Doch Vorsicht, auch in der Schulmedizin gibt es Immunmodulatoren. Diese meine ich nicht, denn sie greifen auch künstlich in den Organismus ein, und nicht natürlich.

Zum Glück schaffen es die meisten Hunde selbst mit einer Immunreaktion auf der Nickhaut klar zu kommen. Und in den leicht symptomatischen Fällen kann man sich mit z.B. Euphrasia Augentropfen, dem sogenannten Augentrost behelfen, bis die Rötung wieder nachlässt.

Für die stark symptomatischen Fälle, kann man als natürliche und sanfte Hilfe die Naturheilkunde zu Rate ziehen.

Hierzu können Sie mich bei weiteren Fragen gerne kontaktieren, denn die Immunmodulatoren sollten nicht in Eigenregie eingesetzt werden. Auch hier ist es wichtig die richtigen Impulse über einen bestimmten Zeitraum zu setzen, und die sind, wie so vieles, bei jedem individuell.

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